Mirror Round Robbin
Meßergebnisse von Ulli Vedder

Hallo Martin,

anbei die Daten und Bilder meiner Messungen an dem 30cm Spiegel von Chris Plicht.
Ich habe Foucaulttest, Ronchitest und Messungen mit einem Bath- Interferometer gemacht. Der Spiegel war dabei in einer ca.25mm breiten Schlinge mit ca. 170-180 Umschlingung, nahezu senkrecht stehend gelagert.
Einen Startest habe ich nicht gemacht, da ein echter Startest mangels entsprechendem Teleskop nicht möglich war und ich keinen hochwertigen künstlichen Stern zur Verfügung hatte.
Ich habe den Spiegel vor den Messungen ca. 36h im unbeheizten Meßraum an die Temperatur angepasst, die Temperatur während der Messungen betrug ca. 13 C. Turbulenzen zwischen Spiegel und Meßapparatur habe ich während der Messungen nicht wahrgenommen.
Angefangen habe ich mit Foucault und Ronchi.
Zur Ermittlung der Schnittweiten verwende ich einen Foucaulttester mit Webcam und Digitalmesschieber, als Lichtquellen kamen eine blaue und eine grüne LED, jeweils mit vorgesetzter Schlitzblende 0,5 x 0,05mm zur Anwendung.
Der Tester hat eine feststehende Lichtquelle und eine bewegliche Schneide, seitlicher Abstand Lichtquelle - Schneide/ Gitter war ca. 15mm.
Zur Auswertung der Meßergebnisse habe ich FigureXP verwendet.

Bei der Aufnahme der Focaultbilder ist mir aufgefallen, das die Ausleuchtung des Foucault- Bildes um die Horizontale nicht symetrisch ist:

Foucaulttest mit blauer LED/ Markierung Spiegel Stellung 12 Uhr

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Ronchitest mit grüner LED und Gitter 7 Linien pro mm/ Markierung Spiegel Stellung 12 Uhr

Der zentrale Streifen beim Ronchitest extrafokal verläuft leicht S-förmig, die Urache dafür und für die Unsymmetrie im ersten Bild kann Astigmatismus sein.
Außerdem hat der Spiegel eine unruhige Oberfläche, ein zentrales Loch von ca.3-5cm Durchmesser und Zonenfehler im Zentrum, zu erkennen sowohl im Foucault als auch im Ronchibild:

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Für die Schnittweitenmessungen habe ich die Maske verwendet, die dem Spiegel beilag.

Zonenmaske vor dem Spiegel mit auf Zone 4 eingestellter Schnittweite.

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Bei der Auswertung der Zonenmessungen ergaben sich folgende Ergebnisse:

Ausrichtung Spiegel: Markierung oben (12 Uhr)

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Ausrichtung Spiegel: Markierung links auf 10 Uhr

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Ausrichtung Spiegel: Markierung unten (6 Uhr)

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Die Auswertung der Schnittweitenmessungen mittels FigureXP ergab Strehlwerte zwischen ca. 0,77 und ca. 0,87.
Die zugehörigen konischen Konstanten liegen im Mittel bei ca. 1,09, dies deutet auf eine leichte Überkorrektur hin.
Alle drei Kurven zeigen einen abfallenden Rand, der sich auch beim Foucaulttest mit vor dem Spiegel aufgestelltem Lineal bestätigt:

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Als nächstes habe ich Interferogramme aus dem CoC mittels selbstgebautem Bath- Interferometer und Digital- SLR aufgenommen, nachfolgend eines dieser I-Gramme:

Ausgewertet habe ich die Aufnahmen mit FringeXP, wobei die Zernikekoeffizienten von jeweils 4 Interferogrammen einbezogen wurden.

Bei der ersten Meßreihe ergab die Auswertung ohne Berücksichtigung des Astigmatismus einen Strehlwert von ca.0,6 und eine konische Konstante von ca. 1,01.

Die Auswertung derselben I-Gramme mit Berücksichtigung des Astigmatismus drückt den Strehlwert auf unter 0,1 bei identischer konischer Konstante. Deutlich sichtbar ist die Ausrichtung der Achse des Astigmatismus.

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Für die nächste Messung habe ich den Spiegel in der Halterung um 90 nach rechts gedreht.
Nachfolgend die Auswertung, zuerst wieder ohne Berücksichtigung des Astigmatismus:

Die Auswertung derselben I-Gramme mit Berücksichtigung des Astigmatismus ergab folgende Werte:

Deutlich zu erkennen ist, das sich die Achse des Astigmatismus winkeltreu mitgedreht hat.
Für die in ihrer absoluten Größe deutlich voneinander abweichenden Meßwerte der beiden Meßreihen habe ich derzeit noch keine Erklärung.

Fazit

Sowohl die Zonenmessungen als auch I-Meter Auswertungen ergeben eine leichte Überkorrektur.
Die Unsymmetrie im Foucaulttest, die S-förmige Ronchilinie und die in den I-Grammen mitdrehende Achse deuten auf Astigmatismus im Glas hin.
In der Spiegelmitte erkennt man ein kleines "Loch" , zu sehen im extrafokalen Ronchibild, den Foulcault- Bildern , der FigureXP- Auswertung und auch in den I-Meter-Auswertungen. Insgesamt ist die Fläche etwas unruhig, leichte Rauhigkeiten sind erkennbar. Der Spiegel hat einen deutlich abfallenden Rand, ob und wie stark diese abfallende Kante die Abbildung negativ beeinflußt müßte man einmal beim Test am Stern beurteilen.

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